





| Kernkompetenzen von Firmen im Web 2.0 |
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| Archiv 2010 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Das Zerplatzen der Dot-Com-Blase im Herbst 2001 stellte einen Wendepunkt für das World Wide Web dar. Viele Leute hielten das Web damals für überbewertet, aber Seifenblasen und konsequente Marktbereinigung gehören im allgemeinen zu jeder technologischen Revolution. Üblicherweise signalisiert eine Marktbereinigung, dass eine aufstrebende Technologie bereit ist, ihren Platz auf der großen Bühne der Wirtschaftlichkeit einzunehmen. Die Blender und Angeber werden vor die Tür gesetzt, die wirklichen Erfolgsstories zeigen ihre Stärken und es bildet sich bei vielen ein Verständnis dafür, was die Einen vom Anderen unterscheidet. Das Konzept “Web 2.0″ begann mit einem Brainstorming zwischen O’Reilly und MediaLive International. Dale Dougherty, Web-Pionier und Vizepräsident von O’Reilly, merkte an, dass das Web nicht etwa zusammengebrochen, sondern wichtiger als jemals zuvor sei. Interessante neue Anwendungsmöglichkeiten und Seiten tauchten mit erstaunlicher Regelmäßigkeit auf und die überlebenden Firmen schienen einige wichtige Dinge gemeinsam zu haben. Könnte es sein, dass der Dot-Com-Kollaps einen derartigen Wendepunkt markiert hatte, dass man diese Dinge nun mit einem Schlagwort wie “Web 2.0″ bezeichnen durfte? Wir einigten uns darauf und damit war die “Web 2.0 Konferenz” geboren. Eineinhalb Jahre später hat sich der Begriff “Web 2.0″ in der Tat durchgesetzt, Google findet hierzu inzwischen 9,5 Millionen Treffer. Aber es existiert immer noch große Uneinigkeit darüber, was “Web 2.0″ nun genau bedeutet. Einige halten es für ein bedeutungsloses Schlagwort aus dem Marketing, Andere akzeptieren es als neue allgemeingültige Einstellung. Dieser Artikel ist ein Versuch zu erklären, was genau wir unter “Web 2.0″ verstehen. In unserem anfänglichen Brainstorming formulierten wir die Bedeutung von Web 2.0 in Beispielen:
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber nach welchen Kriterien klassifizierten wir die einzelnen Anwendungen und Ansätze als “Web 1.0″ oder “Web 2.0″? (Diese Frage ist besonders zwingend, da sich die Erscheinung Web 2.0 inzwischen so verbreitet hat, dass einige Firmen es überall als Marketing-Schlagwort verwenden, ohne seine tatsächliche Bedeutung zu kennen. Diese Frage ist aber auch besonders schwierig, da zwar viele dieser schlagwortabhängigen Startups definitiv nicht zum Bereich Web 2.0 gehören, aber einige der von uns genannten Anwendungen, wie Napster und BitTorrent, nicht einmal Web-Anwendungen sind.) Wir begannen daraufhin, die Prinzipien herauszuarbeiten, die entweder bei den Erfolgsstories von Web 1.0 oder bei den interessantesten der neuen Anwendungen ihren Ursprung hatten. Das Web als PlattformWie viele andere wichtige Konzepte, hat Web 2.0 keine genauen Begrenzungen, sondern vielmehr ein Gravitationszentrum. Man kann Web 2.0 als eine Ansammlung von Prinzipien und Praktiken visualisieren, die ein regelrechtes Sonnensystem von Seiten zusammenhalten, die einige oder alle dieser Prinzipien in unterschiedlicher Entfernung vom Zentrum demonstrieren. Zum Beispiel nannten John Battelle und ich (Tim O’Reilly) auf der ersten Web-2.0-Konferenz im Oktober 2004 eine erste Liste von Prinzipien im Rahmen unserer Eröffnungsrede. Das erste dieser Prinzipien war “Das Web als Plattform”. Natürlich war das auch schon ein Schlagwort des Web-1.0-Favoriten Netscape, der nach einem heißen Kampf mit Microsoft in den Flammen unterging. Zudem waren zwei unserer Web 1.0 Beispiele, nämlich DoubleClick und Akamai, Pioniere im Bestreben, das Web als Plattform zu verwenden. In der Tat handelte es sich bei Werbediensten um die ersten weitverbreiteten Web Services (und um die ersten weitverbreiteten “Mashups”, um einen anderen Begriff zu nutzen, der kürzlich in Umlauf gekommen ist). Jede Bannerwerbung stellt eine nahtlose Kooperation zwischen zwei Webseiten dar, die eine integrierte Seite für einen Leser auf einem anderen Computer ausliefert. Akamai verwendet sogar das Netzwerk selbst als Plattform und stellt auf einem tiefer gelegenen Level transparentes Caching und ein CDN (Content Delivery Network) zur Verfügung, sodass Bandbreitenstaus verringert werden. Nichtsdestotrotz stellen diese Pioniere gute Gegenbeispiele dar, da später hinzugekommene Dienste ihre Lösungen für dasselbe Problem weitergedacht und dabei größeres Verständnis für das Wesen der neuen Plattform gezeigt haben. Sowohl DoubleClick als auch Akamai waren in gewissem Sinne auch Web 2.0 Pioniere, aber man kann auch erkennen, welche größeren Möglichkeiten sich ergeben, wenn man einige zusätzliche Designvorlagen von Web 2.0 hinzuzieht. Wir wollen diese drei Fälle nun etwas genauer betrachten und dabei die essentiellen Unterschiede herausarbeiten.
Kollektive IntelligenzDas zentrale Prinzip hinter dem Erfolg der Giganten aus der Web 1.0 Ära, die überlebt haben um nun die Web 2.0 Ära anzuführen, scheint zu sein, dass sie sich die Stärke des Web zu Eigen gemacht haben, die kollektive Intelligenz zu nutzen:
Inzwischen hinterlassen immer häufiger Firmen, die diese Erkenntnisse aufgenommen und z.T. ausgebaut haben, ihre Zeichen im Web:
Das Fazit für Web 2.0: Netzwerk-Effekte durch Nutzerbeteiligung sind der Schlüssel zur Marktdominanz in der Web 2.0 Ära.
Bloggen und die Weisheit des VolkesEines der meistgenannten Features der Web 2.0 Ära ist die Erscheinung des Blogging. Persönliche Homepages gibt es bereits seit den Anfangstagen des Web, persönliche Tagebücher und tägliche Meinungskolumnen sogar noch länger, warum also wird um das Bloggen so viel Aufheben gemacht? Im Grunde ist ein Blog nur eine persönliche Homepage in der Form eines Tagebuchs. Eines der Dinge, die den feinen Unterschied ausmachen, ist eine Technologie namens RSS. RSS ist der bemerkenswerteste Fortschritt in der grundlegenden Architektur des Web seit ein paar Hacker erkannten, dass CGI zur Erstellung datenbank-basierender Webseiten genutzt werden kann. RSS erlaubt es, eine Seite nicht nur zu verlinken, sondern sie zu abonnieren und bei jeder Änderung informiert zu werden. Rich Skrenta nannte dies das “inkrementelle Web”, andere nennen es das “Live Web”. Nun wurden dynamische Webseiten (also datenbank-gestützte Seiten mit dynamisch generiertem Inhalt) vor über 10 Jahren erfunden. Die Neuerung des “Live Web” ist aber nun, dass nicht nur die Inhalte, sondern auch die Links dynamisch sind. Ein Link zu einem Weblog zeigt auf eine sich ständig verändernde Seite, mit sogenannten “Permalinks” für jeden individuellen Eintrag und Benachrichtigungen bei jeder Änderung. Ein RSS-Feed ist also ein wesentlich mächtigerer Link als z.B. ein Lesezeichen oder ein einfacher Link zu einer einzelnen Seite. Aufgrund von RSS sind Webbrowser nicht mehr die einzigen Hilfsmittel, um eine Webseite anzuzeigen. Während einige RSS-Sammler, wie z.B. Bloglines, webbasiert sind, arbeiten andere als Desktop-Clients, und wiederum andere erlauben den Zugriff auf die aktuellen Inhalte per portablem Gerät. RSS wird inzwischen nicht nur zur Anzeige neuer Blogeinträge benutzt, sondern auch für viele weitere Datenupdates, z.B. Aktienkurse und Wetterdaten. Dies ist im Prinzip eine Rückkehr zu den Wurzeln: RSS wurde 1997 erfunden, als Zusammenschluss von Dave Winer’s “Really Simple Syndication” (welches von vorne herein für Blogs gedacht war) und Netscape’s “Rich Site Summary” (welches Usern erlauben sollte, ihre Homepages mit regelmäßigen Updates zu füttern). Netscape verlor das Interesse und die Technologie wurde von Winer’s Unternehmen “Userland” fortgeführt. In der derzeitigen Menge der Anwendungen finden wir daher das Erbe beider Gründer. RSS ist jedoch nicht das einzige Feature, welches Blogs von normalen Webseiten unterscheidet. Tom Coates bemerkte zur Signifikanz von Permalinks: “Es mag wie eine triviale Funktionalität aussehen, aber es war im Endeffekt das Instrument, welches Weblogs von einem Werkzeug zur einfachen Publikation in ein dialogorientiertes System sich überlappender Communities wandelte. Zum ersten Mal war es relativ simpel, direkt auf einen speziellen Beitrag auf einer fremden Seite zu verweisen und sich darüber zu unterhalten. Eine Diskussion entstand, ein Chat entstand. Und am Ende entstanden sogar Freundschaften oder wurden gefestigt. Die Permalinks waren der erste - und erfolgreichste - Versuch, Brücken zwischen den Weblogs zu errichten.” Auf gewisse Weise integriert die Kombination aus RSS und Permalinks viele Features von NNTP, dem Network News Protocol des Usenet, in das Webprotokoll HTTP. Die “Blogosphäre” kann als neues P2P-Äquivalent zu Usenet und Bulletin-Boards angesehen werden, den beliebtesten Kommunikationsmitteln des frühen Internet. Die Leute können ihre Seiten nicht nur gegenseitig abonnieren oder einzelne Passagen verlinken, sondern auch mittels einer Methode namens “Trackback” sehen, wer ihre Seiten verlinkt und mit umgekehrten Links oder Kommentaren reagieren. Interessanterweise waren Zwei-Wege-Links das erklärte Ziel früher Hypertextsysteme wie Xanadu. Puristen haben Trackbacks als Schritt in diese Richtung gefeiert, aber Trackbacks sind keine Zwei-Wege-Links, sondern vielmehr echt symmetrische Ein-Weg-Links, die nur den Effekt von Zwei-Wege-Links erzeugen. Der Unterschied mag subtil erscheinen, ist in der Praxis jedoch enorm. Systemen des “Social Networking”, wie z.B. Friendster, Orkut oder LinkedIn, die die Bestätigung des Empfängers erfordern, um eine Verbindung herzustellen, fehlt die Skalierbarkeit des Webs. Wie Catherine Fake, Mitbegründerin des Flickr Fotoservice anmerkte, beruht Aufmerksamkeit nur im Zufall auf Gegenseitigkeit. (Daher erlaubt Flickr seinen Usern das Erstellen sogenannter Watchlists - jeder User kann die Fotoreihen eines anderen per RSS abonnieren. Der andere Nutzer wird von dem Abonnement in Kenntnis gesetzt, muss die Verbindung aber nicht bestätigen.) Wenn wir die Nutzung kollektiver Intelligenz als essentiellen Teil von Web 2.0 betrachten, die das Web in eine Art globales Gehirn verwandelt, stellt die Blogosphäre das Äquivalent zur ständigen geistigen Aktivität im Vorderhirn dar, die Stimme, die wir alle in unseren Köpfen hören. Es reflektiert i.d.R. nicht die tiefere Struktur des Gehirns, welcher wir uns häufig unbewusst sind, sondern repräsentiert die bewussten Gedanken. Und als Reflexion bewusster Gedanken und Aufmerksamkeit, hat die Blogosphäre einen wichtigen Effekt. Zum einen, weil Suchmaschinen Linkstrukturen nutzen, um nützliche Seiten herauszufiltern. Blogger haben somit als überaus produktive und häufige Linker eine überproportionale Bedeutung bei der Gestaltung von Suchmaschinen-Ergebnissen. Zum anderen referenziert sich die Blog-Community in hohem Maße selbst, sodass Blogger, die anderen Bloggern Beachtung schenken, ihre Sichtbarkeit und Macht erhöhen können. Der “Hallraum”, den viele Kritiker beklagen, dient somit als Verstärker. Wenn es ein bloßer Verstärker wäre, wäre Bloggen recht uninteressant. Aber ähnlich zu Wikipedia, nutzt das Bloggen die kollektive Intelligenz als eine Art Filter. Was James Suriowecki “die Weisheit der Masse” nennt, kommt hier ins Spiel, und so wie PageRank bessere Suchresultate liefert als die Analyse jedes einzelnen Dokumentes, markiert die kollektive Aufmerksamkeit der Blogosphäre den Wert der Beiträge. Während manche Mainstream-Medien einzelne Blogs als Konkurrenten ansehen, ist das wirklich spannende der Wettbewerb mit der Blogosphäre als Ganzes. Dies ist nicht nur ein Wettbewerb zwischen Seiten, sondern zwischen zwei verschiedenen Geschäftsmodellen. Die Welt des Web 2.0 ist auch eine Welt dessen, was Dan Gillmor “wir, die Medien” nennt, eine Welt in der das “ehemalige Publikum”, nicht ein paar wenige Leute im Hintergrund, entscheiden was wichtig ist und was nicht.
Daten als "Intel inside"Jede bedeutende Internet-Anwendung besitzt heutzutage eine spezialisierte Datenbank: Google (web crawl), Yahoo (directory und web crawl), Amazon’s Produktdatenbank, eBay’s Produkt- und Verkäuferdatenbank, MapQuest’s Kartendatenbank, Napster’s verteilte Songdatenbank. Wie Hal Varian in einer persönlichen Unterhaltung im letzten Jahr anmerkte, “SQL ist das neue HTML”. Datenbankmanagement ist eine Kernkompetenz von Web 2.0 Firmen, so sehr dass wir diese Anwendungen z.T. eher als “Infoware” denn als bloße Software bezeichnen. Dies führt zu einer Schlüsselfrage: Wem gehören diese Daten? In der Internet-Ära konnte man bereits einige Fälle beobachten, wo die Kontrolle über Datenbanken zur Marktkontrolle und großen finanziellen Einnahmen geführt hat. Das Monopol für die Registrierung von Domainnamen, ursprünglich von der US-Regierung an die Firma Network Solutions gewährt (welche später von VeriSign gekauft wurde), war eine der ersten großen Geldquellen des Internet. Während sich darüber streiten lässt, ob Geschäftsvorteile durch die Kontrolle von Software APIs in den Zeiten des Internet schwieriger zu erreichen sind, sind die Vorteile der Kontrolle wichtiger Datenquellen unstrittig, vor allem wenn ihre Erstellung teuer ist oder sie empfänglich für immer größer werdende Rückflüsse durch Netzwerkeffekte sind. Ein Blick auf die Copyright-Hinweise am Ende jeder Karte von MapQuest (z.B. maps.yahoo.com) zeigt stets die Zeile “Maps copyright NavTeq, TeleAtlas” oder (beim neuen Satellitenbild-Service) “Images copyright Digital Globe”. Diese Firmen tätigten substantielle Investments in ihre Datenbanken (NavTeq allein spricht von 750 Millionen Dollar für den Aufbau ihrer Adress-Datenbanken; Digital Globe bezahlte rund 500 Millionen für den eigenen Satelliten zur Verbesserung Ihrer regierungsunabhängigen Bilder). NavTeq ging sogar so weit, Intel’s bekanntes “Intel Inside”-Logo zu imitieren: Autos mit Navigationssystemen tragen den Aufdruck “NavTeq Onboard”. Daten sind in der Tat das “Intel Inside” dieser Anwendungen, die alleinige Einkommensquelle in Systemen, deren Software-Infrastruktur größtenteils Open Source oder auf andere Weise öffentlich ist. Der derzeit heiß umkämpfte Markt der Kartendienste zeigt, wie die Missachtung der Bedeutung von Kerndaten einer Applikation die Wettbewerbsposition schwächen kann. MapQuest war 1995 der erste Anbieter eines Kartendienstes, aber als später Yahoo, Microsoft und schließlich Google hinzukamen, konnten sie leicht eine vergleichbare Anwendung bereitstellen, indem sie ganz einfach dieselben Daten lizenzierten. Ganz anders die Position von Amazon. Genau wie seine Mitbewerber, z.B. Barnesandnoble, bezog Amazon die ursprüngliche Datenbasis vom ISBN Registrar R.R. Bowker. Aber im Gegensatz zu MapQuest erweiterte Amazon diese Basis unaufhörlich, fügte Cover, Inhaltsverzeichnisse, Indizes und Samples hinzu. Darüber hinaus, und wohl noch bedeutsamer, machten sie sich die Käuferbeteiligung zunutze, sodass heute (nach zehn Jahren) Amazon, und nicht Bowker, die wichtigste Quelle für bibliographische Daten zu Büchern darstellt, eine Referenz für Schüler, Studenten, Bibliothekare und natürlich Käufer. Amazon führte außerdem ein eigenes, proprietäres Identifikationssystem ein, die ASIN. Diese ist gleich der ISBN für Produkte, die mit einer solchen versehen wurden, und stattet alle anderen Produkte mit einer Nummer aus einem äquivalenten Namensraum aus. Im Endeffekt hat sich Amazon seine Datenzulieferer einverleibt und erweitert. Man stelle sich nun vor, MapQuest hätte seine Nutzer zur Erhöhung des Informationsgehaltes seiner Karten eingesetzt, indem sie Kommentare und Hinweise hinzugefügt hätten. Der Markteintritt wäre für Mitbewerber, die nur die Basisdaten lizenzieren könnten, ungleich schwieriger geworden. Die kürzlich erfolgte Einführung von Google Maps bietet ein gutes Anschauungsbeispiel für den Wettbewerb zwischen Anwendungsverkäufern und ihren Datenzulieferern. Google’s einfach gehaltenes Programmierungsmodell hat dazu geführt, dass viele sogenannter Mashups entstanden sind, die Google Maps mit anderen, über das Internet verfügbaren Datenquellen verknüpfen. Paul Rademacher’s housingmaps.com, welches Google Maps mit dem Immobilienmarkt von Craigslist verbindet, ist eines der prominentesten Beispiele für ein solches Mashup. Zur Zeit sind viele Mashups noch innovative Experimente einiger Hacker, aber bald schon werden unternehmerische Aktivitäten in diesem Bereich folgen. Und bereits jetzt ist zu beobachten, dass zumindest für einen Teil der Entwickler Google die Rolle des bevorzugten Datenzulieferers von NavTeq übernommen hat. Es ist zu erwarten, dass man in den nächsten Jahren in zunehmendem Maße Marktkämpfe zwischen den Datenlieferanten und den Anwendungsentwicklern sehen wird, da beide Parteien realisieren, wie wichtig bestimmte Arten von Daten für die Erstellung erfolgreicher Web 2.0 Dienste sind. Das Rennen um die wichtigsten Daten hat begonnen, vor allem um geographische, persönliche, terminliche - man denke an öffentliche Veranstaltungen etc. - und produktspezifische. In vielen Fällen, in denen die Erstellung der Daten signifikante Kosten verursacht, mag sich die Gelegenheit für ein Vorgehen á la “Intel Inside” ergeben, mit einer einzelnen Quelle für die Daten. In anderen Fällen wird die Firma zum Gewinner, die zuerst durch Nutzeraggregation eine kritische Masse erreicht und die aggregierten Daten in einen Systemdienst umwandelt. Zum Beispiel können auf dem Gebiet der persönlichen Daten Paypal, Amazon’s 1-Click sowie die Millionen Nutzer von Kommunikationssystemen legitime Wettbewerber bei der Erstellung einer netzwerkweiten Identitätsdatenbank darstellen. Diesbezüglich könnte Google’s kürzlich erfolgter Versuch, Handynummern als Identifikator für Gmail-Accounts zu verwenden, als Schritt in Richtung Einverleibung und Erweiterung des Telefonnetzes angesehen werden. Inzwischen erkunden Startups wie Sxip das Potential verbundener Identitäten in Bezug auf eine Art “distributed 1-click”, welches ein nahtloses Identitäts-Subsystem für Web 2.0 werden könnte. Im Bereich terminlicher Daten ist EVDB ein Versuch zur Generierung des weltgrößten “shared” Kalenders via Wiki-artiger Architektur. Während die Entscheidung über den Erfolg eine jeden dieser Startups und Ansätze noch aussteht, ist es bereits klar absehbar, dass Standards und Lösungen in diesen Bereichen, die bestimmte Klassen von Daten in verlässliche Subsysteme des “Betriebssystems Internet” umwandeln, die nächste Generation von Anwendungen prägen. Ein weiterer Punkt sollte in Bezug auf Daten angesprochen werden, nämlich die Bedenken der Nutzer bzgl. ihrer Privatsphäre und ihre Rechte an den eigenen Daten. In vielen der frühen Webanwendungen wird dem Copyright nur wenig Bedeutung beigemessen. Zum Beispiel erhebt Amazon Anspruch auf jede veröffentlichte Beurteilung, aber aufgrund mangelnder Durchsetzung können die Leute ein- und dieselbe Beurteilung auch an anderer Stelle posten. Da die Firmen allerdings nun zu erkennen beginnen, dass die Kontrolle über Datenbestände die Quelle ihrer Geschäftsvorteile bildet, werden wir womöglich verstärkte Versuche erleben, diese Kontrolle zu erlangen. So wie das Aufkommen proprietärer Software zur Entwicklung freier Software führte, erwarten wir das Erscheinen freier Datenbestände als Reaktion auf proprietäre Datenbanken. Man sieht bereits erste Anzeichen dieser Gegenbewegung bei Wikipedia, den Creative Commons und in Software-Projekten wie Greasemonkey, die Nutzern die Kontrolle darüber gestatten, wie Daten auf ihrem Computer dargestellt werden sollen.
Software ohne LebenszyklusWie bereits im Vergleich Google vs. Netscape erwähnt besitzt Software aus der Internet-Ära die charakteristische Eigenschaft, dass sie als Service, und nicht als Produkt ausgeliefert wird. Diese Tatsache führt zu einer Reihe fundamentaler Änderungen im Geschäftsmodell eines solchen Unternehmens:
Während Microsoft enorme Fähigkeiten gezeigt hat wenn es darum ging, von seinen Konkurrenten zu lernen und sie schließlich zu übertreffen, steht es außer Frage, dass die Konkurrenz nun Microsoft (und natürlich auch jede andere etablierte Softwarefirma) zwingt, eine andere Form von Unternehmen zu werden. Native Web-2.0-Firmen genießen allerdings den natürlichen Vorteil, dass sie zuvor keine alten Muster, Geschäftsmodelle und Einnahmequellen loswerden müssen.
Lightweight Programming ModelsAls die Idee der Web Services bekannt wurde, stürzten sich große Firmen mit einem ganzen Haufen komplexer Web Services ins Getümmel, die der Kreation hochverfügbarer Programmierumgebungen für verteilte Anwendungen dienen sollten. Aber so wie das Web Erfolg erlangte, indem es viel von der Theorie des Hypertext wieder verwarf und stattdessen einen Pragmatismus des idealen Designs einsetzte, wurde RSS aufgrund seiner Einfachheit der vermutlich am weitesten verbreitete Web Service, während die komplexen Dienste der Unternehmen noch auf ihre Verbreitung warten. In vergleichbarer Weise werden Amazon’s Web Services in zwei Varianten angeboten: Eine unter strenger Einhaltung der Formalien von SOAP, die andere nutzt dagegen die einfache Verbreitung von XML über HTTP mittels eines leichtgewichtigeren Ansatzes, bekannt als REST (Representational State Transfer). Während wenige, hochwertige B2B-Verbindungen (z.B. zwischen Amazon und großen Vertriebspartnern wie Toys’R'Us) die SOAP-Variante verwenden, wählen 95 Prozent der sonstigen Nutzer den REST-Service. Dieser Wunsch nach Simplizität kann auch bei anderen “organischen” Web Services beobachtet werden, Google Maps ist hier ein gutes Beispiel. Das dort verwandte AJAX-Interface (Asynchronous Javascript And XML) wurde schnell von einigen “Hackern” entschlüsselt und zur Erstellung neuartiger Services mithilfe der bereitgestellten Daten eingesetzt. Auf Kartendienste basierende Web Services waren schon seit einiger Zeit verfügbar, sowohl von GIS-Anbietern wie ESRI als auch von MapQuest und Microsoft (MapPoint), aber Google Maps war die Sensation schlechthin aufgrund seiner Einfachheit. Während Experimente mit den anderen Diensten einen formalen Vertrag zwischen den Parteien voraussetzten, konnte jedermann die Daten von Google Maps nehmen und sie kreativ weiterverarbeiten. Hieraus lernen wir folgende bemerkenswerte Grundsätze:
Innovation durch Zusammenbau LPMs und offene Kooperation werden begleitet von LBMs (Lightweight Business Models). Ein neuer Dienst wie housingmaps.com entstand einfach durch die Verknüpfung zweier bereits existierender Dienste. Housingmaps.com hat (noch) kein Geschäftsmodell - aber für viele der kleineren Services bieten Google AdSense und Co. das Snap-In-Äquivalent eines Ertragsmodells. Dies ist ein schönes Beispiel für ein weiteres Prinzip von Web 2.0, das da heißt: Innovation durch Zusammenbau. Wenn die grundlegenden Komponenten reichlich vorhanden sind, lässt sich weiterer Nutzen generieren, indem man sie einfach auf neue und effektive Weise zusammensetzt. So wie die PC-Revolution Innovationen durch den Zusammenbau von Hardware-Komponenten ermöglichte, woraus Firmen wie Dell auf erfolgreiche Weise eine regelrechte Wissenschaft machten und andere Firmen weit hinter sich ließen, deren Geschäftsmodell Innovation durch Produktentwicklung vorsah, so glauben wir auch, dass Web 2.0 es Firmen ermöglichen wird, erfolgreicher zu sein als andere, indem sie die Dienste anderer auf innovative Art und Weise verbinden und nutzbar machen.
Software über Gerätegrenzen hinwegEin weiteres erwähnenswertes Feature von Web 2.0 ist die Tatsache, dass es nicht länger auf die PC-Plattform beschränkt ist. In seiner Abschiedsnachricht an Microsoft betont der langjährige Microsoft-Entwickler Dave Stutz: “Nützliche Software, die über die Grenzen einzelner Geräte hinaus geschrieben wurde, wird die hohen Margen für lange Zeit beherrschen.” Natürlich kann zunächst jede Webanwendung als geräteunabhängig angesehen werden. Immerhin sind selbst an der simpelsten Webanwendung mindestens zwei Computer beteiligt: Auf dem einen läuft der Webserver, auf dem anderen der Browser. Und wie bereits gesagt erweitert die Entwicklung des Web zu einer Plattform diese Idee hin zu synthetischen Anwendungen, die aus verschiedenen Diensten von völlig unterschiedlichen Computern bestehen. Aber wie in so vielen Bereichen des Web 2.0, bei denen die “2.0-heit” nichts vollkommen Neues, sondern vielmehr eine vollständigere Realisierung des wahren Potentials der Web-Plattform ist, gibt uns auch dieser Ausdruck einen entscheidenden Einblick in die Designprinzipien für Dienste und Anwendungen der neuen Plattform. Heutzutage stellt iTunes hierfür das beste Beispiel dar. Diese Anwendung schafft den nahtlosen Übergang vom mobilen Endgerät zu einem gewaltigen Web-Backend, mit dem PC als lokalem Cache und Kontrollstation. Es gab auch früher schon viele Versuche, Web-Inhalte auf mobile Endgeräte zu bringen, aber die iPod/iTunes-Kombination ist die erste dieser Anwendungen, die sich von Grund auf über mehrere Gerätetypen erstrecken sollte. TiVo ist ein weiteres gutes Beispiel. iTunes und TiVo weisen auch viele weitere der Kernprinzipien von Web 2.0 auf. Sie sind keine Webanwendungen per se, jedoch setzen sie das Web äußerst wirksam ein, als nahezu unsichtbaren, integrierten Bestandteil ihrer Infrastruktur. Datenmanagement ist natürlich das Herz ihres Angebotes. Sie sind Dienste, keine verpackten Produkte (obwohl iTunes als solches benutzt werden kann, wenn man es nur zum Management lokaler Daten einsetzt). Darüber hinaus zeigen sowohl iTunes als auch TiVo aufkeimende Nutzung kollektiver Intelligenz, obwohl dies in beiden Fällen mit den Interessen des Rechteverwertungsgesellschaften (IP-Lobby) kollidiert. Es gibt zwar bei iTunes bislang nur wenige Möglichkeiten der Beteiligung, die kürzlich erfolgte Hinzunahme von Podcasting wird dies aber substantiell ändern. Dies ist der Bereich von Web 2.0, in dem wir einige der größten Änderungen erwarten, da mehr und mehr Gerätetypen an die neue Plattform angebunden werden. Welche Arten von Anwendungen werden möglich, wenn unsere Telefone und Autos nicht nur Daten konsumieren, sondern auch bereitstellen? Verkehrsanzeigen in Echtzeit, Flash Mobs und Bürger-Journalismus sind nur die ersten Anzeichen für das Leistungsvermögen der neuen Plattform.
Rich User ExperiencesBereits seit Pei Wei’s Browser “Viola” (1992) wurde das Web zur Auslieferung von Applets und anderen Arten von aktiven Inhalten im Browser genutzt. Bei der Einführung von Java im Jahre 1995 bildeten die Applets die Kernanwendung, der “Rest” wurde um sie herum gebaut. JavaScript und DynamicHTML wurden als leichtgewichtigere Ansätze hinzugefügt, um clientseitige Programmierung und bessere Benutzerführung, genannt RUEs (Rich User Experiences), zu ermöglichen. Einige Jahre zuvor prägte Macromedia den Ausdruck “Rich Internet Applications” um hervorzuheben, dass Flash nicht nur Multimedia-Inhalte ausliefern, sondern auch GUI-artige Anwendungsoberflächen ermöglicht. Allerdings wurde das wahre Potential des Web in Bezug auf die Bereitstellung vollwertiger Anwendungen dem Mainstream erst mit Gmail bekannt, dicht gefolgt von Google Maps. Beides sind webbasierte Anwendungen, die sich hinsichtlich Interface und Interaktionsmöglichkeiten kaum von einem Desktop-Programm unterscheiden. Die dabei von Google verwandte Technologie wurde “AJAX” getauft, ursprünglich von Jesse James Garrett von der Webdesign-Firma Adaptive Path. Er schrieb: “Ajax ist keine einzelne Technologie. Ajax beinhaltet mehrere Technologien, jede mit ihrer ganz besonderen Daseinsberechtigung, die auf neue und mächtige Weise miteinander verbunden wurden. Im einzelnen handelt es sich um:
Ajax ist mittlerweile eine Schlüsselkomponente von Web-2.0-Anwendungen wie Flickr (inzwischen Teil von Yahoo), basecamp und backpack von 37signals sowie Google’s Gmail und Orkut. Wir erleben hier eine nie dagewesene Innovation im Bereich der User Interfaces, da Webentwickler nun endlich in der Lage sind, Applikationen mit der Mächtigkeit lokaler, PC-basierter Anwendungen zu erstellen. Interessanterweise gibt es viele der nun näher erkundeten Möglichkeiten schon seit Jahren. In den späten 90ern dachten Microsoft und Netscape bereits intensiv über all dies nach, die Realisierung scheiterte aber an ihren Streitigkeiten über die Standards. Dies machte browserunabhängige Programme nahezu unmöglich. Als Microsoft den Kampf schließlich gewonnen hatte und es einen de-facto-Standardbrowser gab, wurde die Verwirklichung der Ideen möglich. Und obwohl Firefox wieder mehr Wettbewerb in den Browsermarkt gebracht hat, gibt es zumindest bis dato keinen ähnlich forschrittshemmenden Kampf wie in den 90ern. Wir erwarten in den nächsten Jahren viele neue Webanwendungen, sowohl völlig neu erdachte als auch Reimplementierungen von Desktop-Programmen. Jeder Plattformwechsel bringt auch die Möglichkeit eines Führungswechsels bei den dominierenden Anwendungen mit sich. Gmail bietet bereits einige sehr interessante Innovationen im Bereich E-Mail, indem es die Stärken des Web (Ortsunabhängigkeit, tiefgreifende Datenbankfähigkeiten, Durchsuchbarkeit) mit einer Benutzerschnittstelle kombiniert, die in Sachen Usability an bekannte PC-Interfaces heranreicht. Währenddessen gehen die konventionellen Mailklienten das Problem von der anderen Seite an, indem sie Instant Messaging, Buddylists und Statusicons hinzufügen. Wie weit sind wir noch entfernt vom “vollkommenen” Kommunikationsprogramm, welches das Beste aus E-Mail, IM und Handy vereint, indem u.a. die Sprachfunktionen per VoIP zu den Anwendungen hinzugefügt werden? Das Rennen hat begonnen. Das Adressbuch der Zukunft wird lokale Adressbücher von PC oder Telefon nur noch als Zwischenspeicher für die jeweils explizit benötigten Kontakte verwenden, während im Hintergrund ein webbasierter Synchronisierungsprozess jede Nachricht, E-Mail-Adresse und Telefonnummer speichert. Daraus entsteht ein eigenes soziales Netzwerk, das jederzeit auch mit heuristischen Abfragen zu Rate gezogen werden kann, wenn die gewünschten Daten im lokalen Cache nicht vorhanden sind. Eine Textverarbeitung des Web 2.0 wird kollaboratives Schreiben á la Wiki unterstützen, nicht nur Standalone-Dokumente. Ebenso müssten die von gewöhnlichen Textverarbeitungen bekannten Formatierungsmöglichkeiten gegeben sein. Writely ist ein gutes Beispiel hierfür, auch wenn sich seine Verbreitung bislang eher in Grenzen hält. Das Web 2.0 muss nicht auf PC-Anwendungen beschränkt bleiben. Salesforce.com zeigt, wie das Web auch für klassische Unternehmenssoftware genutzt werden kann, z.B. für das Customer Relationship Management. Die Chance für neue Markteinsteiger liegt darin, das gesamte Potential von Web 2.0 auszuschöpfen. Erfolgreiche Unternehmen erstellen Anwendungen, die von ihren Benutzern lernen, um einen entscheidenden Vorteil zu haben. Nicht nur in der Benutzeroberfläche, sondern vor allem im Wert der gemeinschaftlich erzeugten Daten.
ZusammenfassungWir haben nun sieben Prinzipien herausgearbeitet und dabei wichtige Features des Web 2.0 kennengelernt. Jedes der genannten Beispiele zeigt reale Implementierungen von einem oder mehrerer dieser Prinzipien. Wir wollen daher zum Abschluss das zusammenfassen, was wir als “Kernkompetenzen von Unternehmen im Web 2.0″ ansehen:
Das nächste Mal, wenn sich eine Firma mit der Bezeichnung “Web 2.0″ schmückt, vergleichen Sie ihre Eigenschaften mit der obigen Liste. Aber bedenken Sie dabei, dass hervorragende Leistungen in einem Bereich aufschlussreicher sein können als wenige kleine Schritte in allen sieben.
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